Zitate aus der Sammlung Archivalische Quellenkartei, Seminar für Europäische Volkskunde, Universität Kiel

Stand 2008

 

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Attitudes of parents and status of education

Kappeln, 26.8.1843

[D]ie Schullehrer [stehen] hier auf einer niederen Stufe der Cultur, zumal dann, wenn sie sich nicht auch den Schein geben wollen oder können, als wären sie größeren Vermögens als sie es sind. Wie in vielen Flecken und Städten wird hier dann nur der Lehrer als nothwendiges Uebel angesehen und deswegen geduldet. Die höheren Cirkel schließen ihn aus, weil Unwissenheit und Stolz, diese sauberen Zwillingsbrüder, daselbst vielfältig ihre Wohnung halten; die niederen Classen stehen zu niedrig in Bildung und Lebensweise und Sitten, als daß der Lehrer mit ihnen verkehren sollte;”

 

Fitzbek (SE), 4.4.1863

Als besondere Mängel oder Hindernisse, welche die Wirksamkeit der Schule entgegen stehn, ist nach meiner Meinung der zügellose Geist der Jugend jetziger Zeit und die so sehr sträfliche Verzärtelung der Kinder im elterlichen Hause.

 

Kochendorf (RD), 28.5.1870

Dazu giebt es mehrere Eltern, welche bezüglich des Unterrichts und der Erziehung nicht mit dem Lehrer Hand in Hand gehen, ihre Kinder gar wegen in der Schule erhaltener, unerläßlicher Strafe allezeit in Schutz nehmen, den Lehrer darüber wol in ungebürlicher Weise zur Rede stellen und eben dadurch ihre Kinder desto zügelloser, widerspenstiger und trotziger gegen den Lehrer machen.

 

Altona, 30.9.1857

Vergegenwärtige ich mir Altona, wie es vor 20 und 30 Jahren war und wie es jetzt ist: so muß ich offen gestehen, daß der sittliche Zustand der Stadt und der Gemeinde sich wesentlich verschlechtert und verschlimmert hat.

 

General competence in reading and writing;

Duvensee (LAU), 25.11.1849

[...] es wurde [...] von dem Herrn Superintendenten zur Sprache gebracht, daß von den Schulkindern zu Duvensee mehrere nicht hätten schreiben können und daß der Grund in den unbemittelten Umständen der Eltern liegen solle, weshalb vom Amte übernommen wurde ein Auskunftsmittel zu treffen, damit den Bedürftigen das erforderliche Schreibmaterial geliefert werde.

BILDUNG

plenty of comments lamenting the Gleichgültigkeit of parents

Adelby, 15.3.1842,

Eine Folge dieser  vorherrschenden Dürftigkeit ist, daß in dieser Gemeinde keine besondere intellectuelle Bildung stattfindet. So wie die Kinder der kleinen Leute eben herangewachsen sind, müssen sie ihre Aeltern schon beim Brodterwerb zu Hülfe kommen, sie können es deshalb in der Erwerbung von Schulkenntnissen nicht weiter bringen, als daß sie nothdürftig lesen, schreiben u. rechnen lernen.

Elmshorn, 25.4.1862, Bericht über Sandberg

Der größte Krebs, der an dem Leben der in Rede stehenden Schule nagt, ist die höchst mangelhafte häusliche Erziehung, welche in den Familien der hier wohnenden vielen sogenannten kleinen Leute herrscht. [...] Von den 6 Schülern, die Michaelis 1861 in die Schule aufgenommen wurden, konnte auch keiner sehen, daß ein runder Gegenstand eine andere Gestalt hatte, als ein eckiger; im Lügen und Stehlen hatte dagegen Einer es schon ziemlich weit gebracht.

Gunneby, 00.08.1843

Viele Ältern wünschen aufrichtig, daß ihre Kinder möglichst viel lernen möchten. Manche von diesen Ältern halten ihre Kinder auch recht fleißig zur Schule; aber manche sind wol gezwungen, ihre Kinder oft aus der Schule zurück zu halten, da die Armuth, als täglicher Gast, die Kräfte der Kinder zur Stillung ihres Hungers mit in Anspruch nimmt. Viele der Ältern kümmern sich jedoch nicht so sehr um das Lesen ihrer Kinder. Von diesen heißt es: wenn unsere Kinder nur lesen und den kleinen Katechismus hersagen, ein Bischen schreiben und rechnen können, so wissen sie für ihren Stand genug. [...] Geduld ist hierbei unumgänglich erforderlich; am Ende kommen die Leute doch zur Einsicht.  [...] ist es doch in den letzten 12 Jahren (circa) hier schon um vieles besser geworden.

Neumühlen, 6.6.1853

Es herrscht hier ein reges Interesse für die Schule.  Bei den meisten Eltern ist es eine Ehre, die Kinder fleißg zur Schule zu schicken und mit dem Lehrer vereint dahin zu wirken daß der Schulzweck immer erreicht wird.

Stein (PLÖ), 7.8.1847

Bey vielen möchte [der Schulbesuch] wol besser sein, aber der vielen kleinen Leute wegen, dürfte es wol nicht besser werden. Viele Wohlhabende sehen es auch als ein Privilegium an, sich keinem Schulzwange zu unterwerfen.

Tensfeld (SE), 16.5.1837

Die Mehrzahl der Eltern dieses Dorfes lebt in der traurigsten Stumpfheit, ohne alle Bildung der Denkkraft, die doch erst den Menschen zum Menschen macht. Unter zehn ist kaum einer, der im Stande wäre, den Vortrags des Predigers zu verstehen, oder das Gehörte auf sein Leben zweckmäßig anzuwenden. [...] Unter zehn kann fasrt nicht einer lesen, wenn nemlich nur der lesen kann, der es weiß, was er gelesen hat.

[...] Vielen [Eltern] ist die Schule ein Dorn im Auge, zumal da sie so manches Opfer fordert. Sie soll neu gebaut oder reparirt werden; es ist ein gutes Buch, oder ein anderes Lehrmittel anzuschaffen, das alles sind ihnen unerträgliche Lasten, wodurch sie noch mehr gegen die Sache eingenommen werden. Ach, und wie vergeblich sind die Bemühungen, sie dafür zu gewinnen! Man gehe nur zu ihnen und versuche es auf dem ehrlichen Wege der vernünftigen Vorstellung irgend etwas Gutes in der Gemeine [!] durchzusetzen, sie für Schulverbesserungen, oder für ein regelmäßiges Schulschicken ihrer Kinder zu gewinnen; [...] Unterzeichneter glaubt sagen zu dürfen, daß er in solchen Angelegenheiten alles versuchte, was in seinen Kräften stand; aber die wärmsten Vorstellungen, die dringendsten Bitten, vereint mit den Ermahnungen der Herren Schulinspectoren, die in den letzten Jahren dieser Gemeine [!] vorstanden, blieben fruchtlos und mußten es bleiben [...].

Hohenaspe (STEI), 0.6.1838

Bei einigen ist es Dürftigkeit und schwerlich ist hier das Übel zu heben; aber bei der Mehrzahl der Eltern ist es Nachlässigkeit und Sorglosigkeit, welche ihren Grund hat in der Uneinigkeit der drei hieselbst befindlichen Jurisdictionen und den langsamen Gang des Rechtes, wenn sie als Schulverächter angeklagt werden. [takes too long to get a hearing and when parents are reprimanded, they don’t change their behaviour, or their punishment isn’t harsh enough; therefore the police should get involved]

complaints about SCHULBÜCHER

            a. too many pupils only have a Bibel, Gesangbuch, und Evangelienbuch

b. several comments (after 1880s) about the use of “Lehrbücher mit veralteter Orthographie [...] die Lehrer sind angewiesen, solche nicht zu dulden.” Plön, 1890/1891       (handed down from older siblings)

complaints about young teachers who are not as dedicated to Schule und Jugend as the older ones, which has a detrimental effect on the pupils’ education

Landkirchen (OH), 25.7.1884

Ich kann daher auch nicht finden, daß die Kinder von all’ den schönen Siebensachen, die ihnen vorgekaut werden, merklich viel verdaut haben; wohl aber glaube ich bemerkt zu haben, daß die Sicherheit in der Religion, die Fertigkeit im Gebrauch der Sprache und in der schriftlichen Darstellung im Rückstand geblieben sind.

 

Competition between German and Frisian or Danish as recognised minority languages

Competition between High German and Low German.

 

Lese- / Schreibfähigkeit:

repeated comments about lack of reading knowledge, either from the whole class, or more frequently, from individual pupils who are individually named in the reports

Brunstorf (Lau), 1.7.1873

Am besten war die Dassendorfer Schule, die Aumühle und die Kröppelshagener waren besser als früher. Die Brunstorfer war in der Religion recht gut, ebenso in den Realien, leider aber konnten die Kinder zum großen Theil nicht lesen.

 

SPRACHLICHES

Ausdrucksvermögen

Preetz, 18.10.1865, Bericht über die Armen-Freischule in Preetz

“Mit den kleineren Schülern [...] nahm ich oft Sprachübungen vor, welche hier sehr nöthig sind, da diese Classe von Kindern mit sehr wenigen Begiffen und einer sehr geringen Sprachfertigkeit die Schule betraten. .

korrekte Aussprache

Gaarden, 31.12.1907, Revision der XIII. Knaben-Volkschule zu Kiel-Gaarden

“Klasse V [...] Herr Kiewitt ist ein gutmütiger, aber ganz zerfahrener Mensch. Im Rechenunterricht spring er immer von einem Thema zum andern. [...] Gesprochen wird höchst nachlässig: ach hunner ach un achsig ein Viddel. [...]                  [NL: presumably, his speech is careless but not clear from quotation]

“Klasse VIII [...] Gelesen wird recht fliessend, aber auf Betonung und lautreine Aussprache, namentlich das Z – es ist überhaupt erstaunlich, wie wenig Lehrer ein deutliches Z sprechen können und den Unterschied zwischen Z und S hören – muss mehr Wert gelegt werden. Desgleichen auf den Wohlklang der Sprache. Der Lehrer selbst spricht ziemlich bäurisch.”   [NL: can we get bio-data of this teacher (Herr Vorrath) or teachers at Volksschulen in general?]

Kiel-Wik, 31.03.1908, Revision der Knaben- und Mädchen-Volksschule

Klasse I K: [Die Knaben] sind auch imstande zusammenhängend vorzutragen. Diese Vorträge lassen allerdings in formeller Hinsicht sehr zu wünschen übrig, die Aussprache ist bäurisch. Der Muttersprache wird überhaupt fast an der ganzen Anstalt die gebührende Pflege nicht zuteil.

Klasse II K: Herr Stuhr [...] lässt die Knaben nie ausreden, verbessert alle grammatischen Fehler, soweit er sie hört, selbst. Infolgedessen sprechen die Knaben, denen jeder Schliff fehlt, ein fürchterliches Deutsch. Die Aussprache ist ganz bäurisch: Pruviant, Munitiun etc. Statt Malabar – ich hatte den Namen vergessen – verstand ich, trotz wiederholter Aufforderung, deutlich zu sprechen, Mologo (ko). Da auch der Lehrer nicht deutlicher sprach, musste ich das Wort an die Tafel schreiben lassen, um es zu verstehen.

Klasse II M: Herr Blass, dem es an guten Willen nicht fehlt, muss sich ernstlich bemühen, seine bäurische Aussprache abzulegen. (Ido, Anno, Bertho)

Kiel, 10.03.1910, V. Mädchen-Volksschule , Knooper Weg 85

Auf gutes, richtiges Deutsch muss auch in meiner Gegenwart mit zähester Konsequenz gehalten werden. In dem Punkte hat es besonders in der Klasse IVb Frl. Lipp, eine erst kürzlich angestellte Lehrerin, noch sehr fehlen lassen. Die Kinder sagten: “Pommern wird durch der Oder in 2 Teilen geteilt, Westpreussen durch der Weichsel” etc. [GRAMMAR]

Klasse VI b [...]  Die Kinder rechnen mündlich und schriftlich befriedigend, schreiben die Zahlen gut, sprechen aber mässig: “ach ma vie is swei und dreisig”

Lütjenburg, 1885/86,

“Auch unter den jüngeren Lehrern giebt es recht viele, die auf den ersten Unterricht nicht die nötige Zeit und Ausdauer. Namentlich wird da von vornherein nicht genügend auf Korrektheit gehalten, und das rächt sich dann durch die ganze Schulzeit hindurch. In der hiesigen Volkssprache werden manche Buchstaben verschluckt, z.B. das ‘t’ vom Ende einer Silbe nach einem andern Konsonant [sic!] (88 spricht man allgemein: “ach und achsig”), andere Buchstaben werden regelmäßig verwechselt, z.B. ‘n’ und ‘m’ am Ende des Worts, andere, namentlich das ‘z’ und die meisten Vokale werden schlecht ausgesprochen. Wenn da der Lehrer nicht mit großer Treue und Ausdauer von Anfang an auf korrekte Aussprache hält, setzen sich solche Fehler auch im Lesen und Schreiben fest.”

Dänisch

Leck, 9.6.1875, Bericht des ersten Compastor, D Matthiessen

“Die sehr weitläufig bewohnte aus 12 verschiedenen bürgerlichen Gemeinden- und Gutsbezirken bestehende Kirchengemeinde Leck hat eine Seelenzahl von beinahe 3000 Seelen. Im Dorfe Leck herrscht die Deutsche, in den Gemeinden O. Schnatebüll u. Klintum die Friesische, in den andern Gemeinden die Dänische Sprache als Umgangssprache vor. Die für Deutschlands Einheit und Stärke großartigen Veränderungen haben im Grunde keine denselben entsprechende deutsche Gesinnung in nationaler u. politischer Hinsicht erzeugt, wenn man auch nicht die Opposition der nordschleswigschen Districte theilt. Der provincielle Partikularismus ist noch nicht überwunden, jedoch im Abnehmen begriffen.

Leck, 00.07.1869, Bericht über Schule in List

Zu den besonderen Mängeln und Hindernissen, welche der Wirksamkeit des Lehrers entgegenstehen, gehören u.A. folgende:

5, daß die Kinder zu Hause und im täglichen Verkehr unter einander immer Dänisch oder Friesisch sprechen, und daher fast ein ganzes Jahr, bei wenig aufgeweckten und begabten noch längere Zeit, darüberhingeht ehe dieselben die hochdeutsche Sprache auch nur nothdürftig verstehen lernen.

[...] Das sub 5 erwähnte Hinderniß läßt sich vorläufig wol der Natur der Sache nach auf keinerlei Weise heben.

Leck, 16.09.1884, Bericht D.D. Matthiessen

“In dem Kirchspiel werden im gewöhnlichen Lebensverkehr 3 Sprachen gebraucht: die Deutsche, die Plattdänische und die Friesische, letztere in den Dörfern Klintum und Ost-Schnatebüll; die Plattdänische sonst überall bei den kleinen Leuten, wobei jedoch zu bemerken, daß man in nicht wenigen Häusern mit den Kindern deutsch spricht, indem Alle der deutschen Sprache kundig sind und diese Sprache für vornhehmer und praktische für mehr verwerthbarer gehalten wird. Nur einige sehr bejahrte Personen haben es schwer, Deutsch zu verstehen und können selbstverständlich auch nicht diese Sprache sprechen, sondern bedienen sich allein der Plattdänischen Sprache. Im Kirchdorf Leck wird mehr deutsch gesprochen als anderswo. [NO REFERENCE TO LOW GERMAN!!]

Rinkenis (Ap), 00.00.1890, Inquiry

inquiry into alleged public drunkenness of local vicar. One witness was not able to speak German but only Danish, so court used interpreter

Friesisch

Gröde, 20.7.1845, Bericht über örtliche Schule

“Die fresische [!] Sprache macht für die Erlernung der deutschen Sprache allerdings Schwierigkeit; doch läßt sich hier so gut, wie anderwärts, auch schon weiter mit den Kindern kommen, wie ich die Erfahrung an den beinahe erwachsenen Kindern machte, die ich zu Anfang übernahm.

Westerland, 6.8.1847, Bericht des Predigers zu Westerland

Ein Haupthinderniß meiner Amtswirksamkeit , namentlich der speciellen Seelsorge, ist und bleibt noch immer die mir durchaus nicht geläufig werden wollende friesische Sprache; und leider ist das weibliche Geschlecht durchgehends nicht zu bewegen, sich im Gespräche mit mir der deutschen Sprache zu bedienen. Was ich in dieser Beziehung thun kann, das geschieht, so viel mir die so sehr beschränkte Zeit nur erlaubt; ich gehe oft in die Häuser der Einzelnen, besonders der kleinen Leute, und mache so doch wenigstens einige schwache Fortschritte in einer Sprache, die sich aus Büchern leider nicht erlernen läßt.

Hochdeutsch

Oland, 22.7.1845

Die Zahl der Schüler beläuft sich gegenwärtig auf 6. Sie sind leider in allen Stücken ziemlich zurück. Ihre Blödigkeit und ihr Mangel an Gewandheit in der deutschen Sprache sind ein wesentliches Hinderniß beim Unterricht.

Petersdorf/Fehmarn, 31.7.1849, Bericht über Petersdorf

“Neben diesem Mangel an Bibel- und Religionskenntniß findet sich auch bei sehr Vielen dieser Gemeinde eine so große Unbekanntschaft mit der Deutschen Sprache, daß sie nur wenig oder gar nichts von der Predigt verstehen. Ich habe schon wiederholt die Erfahrung gemacht, daß die deutlichsten und einfachsten Anzeigen von der Kanzel durchaus von Mehreren mißverstanden wurden.

Hochdeutsch /  Niederdeutsch

Kappeln, 27.8.1843, Bericht über Schulgemeinde Kappeln

Im Allgemeinen sind die Cappler hinsichtlich ihrer Bildung gegen andere Örter noch zurück, welches schon der Umstand beweist, daß man Fremde, aus andern Städten hier eingewanderte, gewöhnlich an ihrem feineren Benehmen von den Eingebornen leicht unterscheiden kann. In dieser mangelhaften Bildung hat es denn auch seinen Grund daß die plattdeutsche Sprache hier viel mehr als an andern Orten, Umgangssprache ist, welches für die Kinder den Nachtheil hat, daß einige bei ihrer Aufnahme in unsere Schule, kein hochdeutsches Wort sprechen können.

Kiel, 18.3.1910, 3. Mädchen-Volkschule, Hardenberg-Straße

Klasse V b: Herr Böttcher [...] konnte kaum mit Hilfe seiner Pensen feststellen, welche hochdeutschen Gedichte gelernt seien. Die Kinder wussten [!] nur plattdeutsche und freiwillig gelernte. Herr Böttcher scheint demnach völlig zu verkennen, dass es Aufgabe der Schule ist, die Kinder hochdeutsch zu lehren, was natürlich nicht ausschliesst, dass auch einmal etwas Plattdeutsches gelesen und gelernt wird.

Aber auf der Unter- und Mittelstufe kann es such nur um ganz seltene Ausnahmen handeln, zumal ja sehr viele Kinder unsere Kieler Schulen gar kein Plattdeutsch können.

Muxall (Plö), 16.7.1859,

Bei Uebernahme meiner Schule [1858] fand ich dieselbe in höchst traurigen Verhältnissen: Kein Kind war im Stande auch nur ein hochdeutsches Wort hervorzubringen, ja man verstand mich nicht einmal nothdürftig, wenn ich Hochdeutsche mit den Kindern sprach; Kenntnisse auf dem Gebiet der Religion und der biblischen Geschichte konnte ich nirgends entdecken.

Seedorf (Lauenburg), 24.6.1836

very critical if not damning report on three schools. Report Gottesdienst:

“Die Predigt war originell und sehr naiv. Die Originalität und Naivität trat manchmal nur etwas zu grell hervor. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Pastor Vieth ein Mann von Gaben ist und daß er faßlich, eindringlich und ergreifend zu reden vermag, wenn er will und den gehörigen Fleiß auf seine Vorträge wendet. Nur Schade [!], daß er seine Gaben verrosten läßt und daß er zu oft ins Platte und Gemine fällt. Die Predigt am Visitationstage hielt er völlig auf hochdeutsch. Sonst verschmäht er plattdeutsche Redensarten nicht. Ich habe ihm deshalb Erinnerung gethan.

report of Teacher who couldn’t read!

Grove, 22.8.1871

Da die Kinder nicht lesen konnten, so gerieth ich sonderbar genug auf die Vermuthung, daß am Ende der Lehrer [a former taylor turned teacher] selbst nicht lesen konnte. Als die Kinder weg gegangen waren, ließ ich den Lehrer lesen u fand, daß er wirklich nicht lesen konnte. Hier ist nun eine durchgreifende Remedur durchaus nothwendig.

 

Erfde, 9.6.1873,

reference to migrants from Sweden, Lippe-Detmold, and in the past also Märkische Arbeiter. They are all a moral problem and of dubious economic benefit, and providing pastoral support was difficult due his lack of Danish [!] language skills.

“Er hat sich in der (Privat-)Beichte wiederholt durch Verwendung des Plattdeutschen aushelfen müssen, bis er neuerdings durch die bereitwilligste Vermittlung des Königl. Schwedischen Consulats in Kiel in den Besitz einer schwedischen Agende [??] zu Gunsten dieser Söhne des Nordens ist gesetzt worden.”

Tönning, 1.7.1860, Visitatorial-Bericht (von Pastor Christensen)

Mittelst Visitatorialschreiben vom 11/14 April des Jahres 1857 war dem Kirchen- und Schul-Collegio aufgegeben worden, ein neues “Regulativ für die Tönninger Stadtschule” auszufertigen. Der Unterzeichnete erhielt den Auftrag, ein solches zu entwerfen. Ich nahm die Gelegenheit wahr, dem nach meiner Ansicht gar zu bedrängten Plattdeutsch, wo möglich, eingermaßen zu seinem Rechte zu verhelfen, inden ich in den Entwurf die Bestimmung aufnahm, daß die beiden Elementarclassen der Knaben- und Mädchenschule nur mit Lehrern, welche mit der plattdeutschen Sprache vertraut wären, besetzt werden dürften. Diese Bestimmung erregte den Beifall des Collegiums und der versammelten Lehrer, wurde aber von dem Visitatorio gestrichen.

Wacken (IZ), 7.6.1877

2360 inhabitants.

“Die Gemeindemitglieder gehören durchgehend dem Stande der Ackerbautreibenden, der Handwerker und kleinen Kaufleute an. Die Umgangssprache ist bei fast Allen die plattdeutsche.

MISCELLANEOUS

Ellerbek, 17.10.1865

report about fire in Schulhaus and Lehrer (aged 77 then) reporting that he lost his personal library consisting of 500 books.

Sandesneben (LAU), 25.10.1835

Der Schullehrer Schütze in Wentorf kann durchaus nicht singen. Er versuchte sich mit der Melodie: Wie schön leucht uns der Morgenstern! Doch einen heilloseren Gesang habe ich nie vernommen. Wie ich höre, soll er in der Schule nur diese eine Melodie mit den Kindern singen und das ist wahrlich gut; er würde sonst die Kinder für den Kirchengesang ganz verderben.

 

because of the myth that girls learn more quickly than boys, parents are happy to keep them at home for longer ! (Elmshorn, 1838)

Konkubinat = wilde Ehe

Copulation = Eheschließung

Gemeine = Gemeinde

erwachsene Kinder = nach der Konfirmation

checked ALL references in Sprachliches, all in Bildung – allgemein, Bildung – Schulbesuch, Bildung – Lesefähigkeit, plenty in Soziale Gruppen Lehrer, Kirchenzustand, Ortsbeschreibung, Bewusstseinswandel – Schulbildung,

still of interest: Auswanderung / Einwanderung