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Seit dem 17. Jahrhundert war Hochdeutsch die Gesetzgebungs=, Regierungs= und Gerichtssprache in ganz Schleswig=Holstein; auch Kirchen= und Schulsprache in dem plattdeutschen und nordfriesischen Sprachgebiet. Zugleich wurde Hochdeutsch allmählich die allgemeine Umgangssprache der höheren und gebildeten Stände. Andererseits breitete die plattdeutsche Volkssprache sich auf Unkosten des Nordfriesischen und Dänischen aus. Längs der Nordseeküste von Husum bis Hoyer, auf den Halligen und den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland erhielten sich verschiedene nordfriesische Dialekte; aber die nordfriesische Landschaft Eiderstedt und die Inseln Nordstrand und Pellworm nahmen die plattdeutsche Volkssprache an. Ebenfalls in den zwischen der Schlei und der Linie Flensburg=Tondern belegenene Distrikten, wo ursprünglich das Plattdeutsche und der dänische (westjütische) Volksdialekt neben und durcheinander liefen, wich allmählich das Dänische immer weiter zurück. Sogar Hadersleben, Apenrade und Sonderburg erhielten einen vorwiegend deutschen Charakter; [p. 77] dazu kam die 1773 angelegte deutsche Herrnhuter=Kolonie Christiansfeld. Abgesehen von diesen Städten, wo Hochdeutsch zum amtlichen Gebrauch gelangte, behielt übrigens Nordschleswig seine dänische Kirchen= und Schulsprache (seit 1840 auch dänische Gerichtssprache). Das Verhältniß zu den dänischen Mitunterthanen war das freundschaftlichste, umsomehr da Dänemark seit der Reformation ununterbrochen in der engsten geistigen Verbindung mit Deutschland blieb und vollständig dem Einfluß der deutschen Reformation und Literatur unterlag. Der Kopenhagener Hof, wo lange Zeit sogar die deutsche Sprache vorherrschte, begünstigte und unterstützte deutsche Dichter, namentlich Klopstock (gest in Hamburg 1803) und Schiller. Dänische Schriftsteller, wie Baggesen (gest. 1826) und Oehlenschläger (gest. 1850) suchten eine Ehre darin, zugleich deutsche Dichter zu sein. […]