Graef (ca. 1922/33): Schleswig-Holsteinische Geschichte I.


Bekanntmachung König Friedrichs VII. von Dänemark.       28. Januar 1852

 

[…] „Der Gesetzentwurf, der – für das Herzogtum Schleswig ausgearbeitet werden wird, soll insbesondere diejenigen Bestimmungen enthalten, welche notwendig sind, um der dänischen und der deutschen Nationalität in diesem Herzogtum vollkommen gleiche Berechtigung und kräftigen Schutz zu gewähren und zu sichern.“ Freier und unbedingter Gebrauch der dänischen und der deutschen Sprache in der Provinzialständeversammlung des Herzogtums Schleswig wird bereits in der jüngst zusammentretenden Versammlung des Herzogtums Schleswig zugestanden werden. 

(S. 32)


Graef (ca. 1922/33): Schleswig-Holsteinische Geschichte II. 


1.1   Die dänischen Sprachverordnungen.

Propstei Flensburg (amtliche Übersetzung)

S. 11. Nach dem Bericht des Kirchenvisitatoriums der Propstei Flensburg wird in bezug auf die Kirchspiele der Propstei Flensburg folgendes verfügt:

a. Die Unterrichtssprache soll in den Volksschulen dieser Distrikte die dänische sein. Bei dem Elementarunterricht soll diese Bestimmung sofort im Sommer in Kraft treten, bei dem höheren Unterricht nach und nach -, während inzwischen der dänische Unterricht, namentlich in der Religion möglichst vorbereitet und gefördert wird. Die deutsche Sprache wird unter die Unterrichtsgegenstände  dergestalt aufgenommen, daß bis vier Stunden wöchentlich dazu verwandt werden.

b. In den Kirchen der gedachten Kirchspiele soll abwechselnd dänisch und deutsch gepredigt werden. Gottesdienstliche Handlungen werden in derjenigen Sprache, welche die Betreffenden ausdrücklich wünschen möchten, vorgenommen.

c. Das Kirchen-Visitatorium hat – dafür Sorge zu tragen, daß diejenigen Schullehrer, welche der dänischen Sprache nicht mächtig sind, versetzt werden oder geschickte Hülfslehrer erhalten. (S. 1)

 

S. 69. Wir werden dann, die möglichst günstigste Grenzlinie für Deutschland zu erstreben haben, im äußersten Falle auch mit der an der Schlei zufrieden sein müssen. Die Grenze desjenigen Gebietes, in welcher zur Zeit der dänischen Herrschaft die deutsche Sprache als die amtliche in Kirche und Schule benutzt wurde, schneidet ungefähr mit einer Linie von Bau, nördlich Flensburgs, nach dem Gotteskoog südlich von Tondern ab; die rein deutsche Bevölkerung ohne dänische Beimischung, abgesehen von den nördlicher wohnenden Friesen der Westküste, reicht bis an eine Linie, welche von der Südspitze der Geltinger Bucht bei Ohrfeld, die Landschaft Angeln durchschneidend, nach Bredsteldt an der Westküste etwas nördlich der Insel Pellworm gezogen würde. Die etwa 30000 Friesen sind ganz außer Ansatz geblieben, mit Ausnahme von zwei Kirchspielen. Daß die Friesen in ihrer Gesamtheit sich zu den Deutschen rechnen, ist bekannt. (S. 6)

 

14. Unterredung Bismarcks mit dem französischen Botschafter Benedetti am 6. März 1865.

[…] Es werde dabei freilich vorausgesetzt, daß die Bevölkerung jener Distrikte selbst wünschte dänisch zu werden, was ich allerdings noch nicht als konstatiert ansehen könne. Denn die städtische und überhaupt die gebildete Bevölkerung sei wesentlich deutsch; die ländliche Bevölkerung sei zwar dänisch ihrer Abstammung nach, aber auch bei dieser kämen doch die materiellen Interessen, welche sie auf den Süden hinwiesen, wesentlich in Betracht; forderten doch die Bauern in dänisch redenden Dörfern deutsche Schulen, weil ihnen diese durch die größere Bildung ein besseres Fortkommen ihrer Kinder versprächen! (S. 16)

 

17. Bericht des Barons Otto Plessen über seine Unterredung mit Graf Bismarck April und Mai 1866.

[…] Er wolle bon marché machen mit allem, was wirklich dänisch in Schleswig sei, aber er könne seine Anschauungen nicht immer beim Könige durchsetzen. Eine Linie südlich Flensburg verlange zu viel, Flensburg sei hauptsächlich deutsch, und auch in Nordschleswig seien nicht wenige Deutschsprechende. (S. 17)

 

5. Promemoria des preußischen Komissars, des Wirklichen Legationsrats Bucher.

Es kommt bei den zu gebenden Garantien nicht allein darauf an, dem Individuum Schutz gegen Bedrückung, sondern auch dem gesamten nationalen Element Erhaltung und freie Bewegung zu gewähren in allem, was nicht direkt politischer Natur ist, also in Sprache, Kirche, Schule, Gemeinde und allem, was sich von sozialem Leben daran anschließt.

[…] II.2. Erhaltung der deutschen Sprache in Kirche und Schule in ihrem gegenwärtigen Umfange, mit Garantien für die deutsche Bildung der anzustellenden Prediger und Lehrer.

[…] III.2. Gleichberechtigung der deutschen Sprache im öffentlichen Leben, Gemeindeangelegenheiten, Gerichtsverfahren usw. (S. 21)

[…] III.5. Erfordernis der Kenntnis der deutschen Sprache bei Anstellungen. Wahrung der Stellung der gegenwärtig fungierenden Beamten. (S. 22)

 

10. Sitzungsbericht des Königl. Staatsministeriums

[…] Fraglich scheine ihm nur, ob es nötig sei, schon jetzt so weit zu gehen, daß die deutsche Sprache nicht bloß Unterrichtsgegenstand, sondern auch Unterrichtssprache werden soll. Er möchte raten, für jetzt sich damit zu begnügen, die deutsche Sprache als obligatorischen Unterrichtsgegenstand zu erklären, auf welchen etwa sechs Stunden in der Woche verwendet werden müssen. Dann gestalte die Maßregel sich ohne Zweifel als Ergebnis väterlicher Füsorge, fern von der Germanisierungsfrage. Später könne man weiter gehen. (S. 26)

 

18. Aus den Erlebnissen und Beobachtungen des ehemaligen Generalsuperintendanten, Kaftan.

S. 207. Nordschleswig – d.h. der Teil Schleswigs, der nördlich einer Linie Flensburg-Tondern liegt, war etwas für sich. Seine Sonderart wurde nicht selten überschätzt. – Und doch war Nordschleswig nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ein Teil Schleswigs bzw. Schleswig-Holsteins. Die das nicht würdigten, - übersahen, daß nicht erst zu unserer Zeit, sondern schon von altersher in Nordschleswig auch (S. 208) deutsches Leben eine Heimstätte hatte, vorwiegend in den Städten, aber auch auf dem Lande, auf dem es an Heimdeutschen nicht fehlte. Aber ebensowenig – durfte Nordschleswigs Eigenart unterschätzt werden. Grundlegend wirkte hier die Sprache. Die Volkssprache Nordschleswigs war wesentlich die dänische. (S. 29)

 

S. 215. Die Verfügung von 1888 schrieb vor, daß von Beginn des nächsten Schuljahres an die Unterrichtssprache in allen Lehrgegenständen die deutsche zu sein habe, mit alleiniger Ausnahme des Religionsunterrichts, sofern nicht die Schulinteressenten selbst es anders wünschten. Zugleich wurde da, wo der Religionsunterricht der dänische blieb, den „vier“ dänischen Religionsstunden zwei deutsche hinzugefügt. (S. 30)

S. 217. Das zweite, was erbitterte, war die Beseitigung jeglichen dänischen Sprachunterrichts. Das schädigte unvermeidlich den in dänischer Sprache erteilten Religionsunterricht, dieser wurde zum Teil Sprachunterricht und mußte das werden. (S. 30)

 

III. 2. Der deutsche Ausschuß für das Herzogtum Schleswig.

[…] Aber wie der von der Regierung erstrebte Rechtsfrieden keinen Anlaß zu künftigen Streit zwischen den Völkern geben soll, so verlangen wir auch, daß alsbald alles geschieht, damit auch bei uns im Innern ein dauernder Friede auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung aller Einwohner auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet herbeigeführt wird. Wir verlangen für die dänische Sprache in Nordschleswig dieselbe Freiheit wie für die deutsche, die plattdeutsche und die friesische Sprache; wir sind entschlossen, uns bei den maßgebenden Stellen mit Nachdruck für den freien Gebrauch der dänischen Sprache in Kirche, Schule, Versammlungen und vor Gericht einzusetzen. (S. 35)

 

Anhang. A. Die Minderheiten in Nord- und Südschleswig.

1. Rechtliche Stellung der Minderheiten nach den gesetzlichen Bestimmungen – Stellung der Deutschen in Nordschleswig.

1.1. Sprache

Für die Sprache in den dänischen Volksschulen in Nordschleswig bestimmen die Gesetze vom 30. Juni 1920 und 1. Mai 1923:

In den Städten zerfällt die Volksschule in zwei Abteilungen, von denen die eine dänisch, die andere deutsch als Unterrichtssprache hat. Eltern und Vormünder können zwischen diesen beiden Abteilungen wählen.

 

Auf dem Lande ist bestimmt: „Wo die Unterrichtssprache dänisch ist, soll, wenn mindestens 10% der Wähler des Schuldistrikts, die Elternrechte über Kinder unter 14 Jahren haben, bei der Schulkommission den Wunsch danach zum Ausdruck bringen, eine Abstimmung darüber stattfinden, inwieweit ein besonderer Unterricht mit Deutsch als Unterrichtssprache eingeführt werden soll.“ Wenn mindestens 20% der für die Schulkommission stimmberechtigten Wähler des Schuldistrikts, die Elternrecht über Kinder unter 14 Jahren haben und mindestens zehn schulpflichtige Kinder vertreten, für den Unterricht mit Deutsch als Unterrichtssprache stimmen, werden die Anstalten dazu getroffen.